Regeln für Briefwechsel mit Gefangenen

Einsamkeit ist für viele Gefangene eine große Belastung. Ein Brief kann für Gefangene eine wertvolle Abwechslung im Alltag sein.

Mit den folgenden Hinweisen möchten wir Ihnen den Einstieg in einen Schriftwechsel erleichtern und die Regeln der JVA für einen Briefwechsel erläutern.

1. Brief

Postkarten oder Grußkarten können einen ersten Kontakt herzustellen. Sie sind eine gute Möglichkeit „Hallo“ zusagen ohne sich zu viel Gedanken darüber machen zu müssen, was man in einem ersten Brief alles schreibt. Gefangene freuen sich in der Regel über jede schriftliche Nachricht.

Schreiben Sie etwas über sich selbst, über Ihre Interessen und Hobbies, Ihren Beruf, wie Sie Ihre Freizeit verbringen, Haustiere, Bücher, Filme, Musik usw.
Vermeiden Sie es, dem Gefangenen im ersten Schreiben zu viele persönliche Sachen mitzuteilen. Auch wenn ein Vertrauensvorschuss sinnvoll ist: Informationen könnten auch zur Vorbereitung einer Straftat dienen.

Seien Sie von Anfang an ehrlich über Ihre Möglichkeiten zur Häufigkeit des Briefwechsels. So vermeiden Sie, dass der Gefangene unnötig auf Ihren Brief wartet und eventuell denkt, dass Sie das Interesse an ihm verloren haben.

Schreiben Sie dem Gefangenen von Anfang an ehrlich, wenn Sie an einer Zweierbeziehung nicht interessiert sind. Gefangene brauchen freundschaftliche Anteilnahme und Austausch über alltägliche Dinge. Romantische Spielchen sind nicht hilfreich.

Stellen Sie Fragen. Zeigen Sie Interesse an der Person des Gefangenen und nicht nur an der Situation, dass er im Gefängnis sitzt.

Legen Sie dem Brief keine Geschenke oder Bargeld bei.

Schreiben Sie Ihre Adresse handschriftlich auf den Briefumschlag und zur Sicherheit auf noch einmal auf das Briefpapier.
Wenn Sie dem den Gefangenen ihre Privatadresse nicht mitteilen wollen, richten Sie sich ein Postfach ein. Wenn Sie einem Gefangenen in der JVA Bruchsal schreiben, können Sie die Post auch mit Ihrem Namen an den SKM schicken lassen.

Weitere Briefe

Ermutigen Sie den Gefangenen Freizeitangebote im Gefängnis zu nutzen und zu versuchen aus seiner eingeschränkten Situation das Beste zumachen. Sportangebote, Freizeitgruppe oder auch religiöse Gruppen lockern den Alltag auf und erweitern den Horizont.

Versuchen Sie dem Gefangenen Mut zu machen, sich in seiner Haftzeit weiterzubilden. Gefangene haben die Möglichkeit Schulabschlüsse nachzuholen, eine Ausbildung zu machen, Arbeitserfahrung zu sammeln und ggf. sogar ein Fernstudium zu beginnen.

Schicken Sie niemals Geld. Auch wenn ein Gefangener nach Geld fragt, ist es generell verboten einem Brief Geld beizulegen. Ihr Briefwechsel ist schon ein Geschenk für den Gefangenen. Es ist nicht sinnvoll dies durch materielle Zuwendungen abzuwerten. Die einzigen sinnvollen Geschenke sind Briefmarken, weil sie dem Gefangenen eine Kontaktaufnahme mit Ihnen ermöglichen, auch wenn er kein Geld zur Verfügung hat.

Wenn Sie dem Gefangenen Geld zukommen lassen wollen, muss es auf dem regulären Weg überwiesen werden. Informieren Sie sich über die Regeln der jeweiligen JVA. Überweisen Sie niemals auf eine Bitte des Gefangenen einem anderen Gefangenen Geld.

Bleiben Sie vorsichtig. Geben Sie dem Gefangenen erst Ihre Adresse oder Telefonnummer, wenn Sie ihn längere Zeit und sehr gut kennen.

Bleiben Sie zunächst zurückhaltend mit Fragen nach der Straftat. Häufig wird Ihnen der Gefangene mit der Zeit von selbst mehr mitteilen. Manchmal kann ein Gefangener erst zu seiner Tat stehen, wenn er sich sicher ist, dass Sie ihm weiter schreiben, wenn Sie die Wahrheit wissen.

Versuchen Sie den Gefangenen nicht zu verurteilen oder zu entschuldigen. Sie sind kein Anwalt oder Richter. Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen über Schuld und Unschuld ein. Es ist normal, dass ein Gefangener versucht sich selbst so positiv wie möglich darzustellen.

Wenn Sie dem Gefangenen ein Geschenk machen wollen, informieren Sie sich über die aktuellen Regeln der jeweiligen Vollzugsanstalt. Die Regeln sind nicht in allen Anstalten gleich.

Wenn Sie dem Gefangenen eine Karte aus dem Urlaub schicken, machen Sie dies möglichst am letzten Tag des Urlaubs. Eine Ankündigung, dass eine Wohnung mehrere Wochen leer steht, könnte einen Tipp an einen „Kollegen“ wert sein und ungebetene Besucher provozieren.

Nicht alle Gefangenen sind gleich. Wie überall gibt es auch bei Gefangenen unterschiedliche Persönlichkeiten. Genau wie bei Begegnungen draußen, kann es sein, dass man einfach keinen Zugang zu jemandem findet oder mit seiner Persönlichkeit nicht klar kommt. In diesem Fall kann es sinnvoll sein den Schriftwechsel zu beenden und ggf. einem anderen Gefangenen zu schreiben.

Wenn Sie als Betreuer des jeweiligen Gefangenen zugelassen sind, wird ihr Schriftwechsel nicht mehr überwacht, das heißt nicht mehr gelesen. Der Brief wird dann in Anwesenheit des Gefangenen geöffnet und auf unzulässige Beilagen kontrolliert. Voraussetzung dafür ist, dass Sie

  • bei der Abgabe des Antrages auf Betreuerzulassung eine handschriftliche Schriftprobe abgegeben haben
  • Ihren Absender handschriftlich auf den Briefumschlag geschrieben haben
  • auf Ihrem Brief deutlich sichtbar „Betreuerpost“ vermerkt haben.
 
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