Anforderungen an Betreuer in der Straffälligenhilfe

Zuverlässigkeit

Zuverlässig sein heißt:

  • Termine einhalten
  • nur Versprechen geben, die eingehalten werden können
  • bei Erzählungen wahrheitsgetreu und objektiv zu bleiben
  • Meinungen offen und ehrlich auszusprechen oder keinen Kommentar zu geben
  • sich eigene Fehler, Schwächen und Unzulänglichkeiten eingestehen, zugeben können und damit umgehen zu lernen
  • nicht einfach wegbleiben, sondern erklären, warum man nicht mehr kommen kann oder will

Gefangene leben in Bezug auf ihre Außenkontakte in einer unsicheren Welt. Sie wissen nicht, wer zu ihnen hält. Sie haben keinen Einblick und oft auch keine Vorstellungen mehr, was alles eine Zeitplanung durcheinander werfen kann.
Erklären Sie, warum Sie einen Termin verschieben müssen. Eine kurze Info per Postkarte erspart dem Gefangenen viele Unsicherheiten. Zudem sollte der Termin in der Besuchsabteilung abgesagt werden.

Bleiben Sie bei der Wahrheit. Für den Gefangenen ist es wichtig, dass er ein echtes Bild vermittelt bekommt. Das gilt für Berichte über die Situation „draußen“, aber auch über Ihre persönliche Meinung, über eigene Fehler und Schwächen und Schwierigkeiten. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie mit einem Gefangenen über ein Thema reden wollen. Nicht jedes Thema muss besprochen werden. Oft ist es sinnvoller zu einem Thema zu schweigen oder klar zu sagen, dass man zu diesem Thema (jetzt) nichts sagen will. Wenn Sie sich auf ein Gespräch einlassen sollten sie sich bemühen „echt“ zu bleiben. Nur dann bieten Sie dem Gefangenen die Möglichkeit seine eingeschränkte Wahrnehmung zu korrigieren und eine echte Beziehung zu Ihnen aufzubauen.

Unzuverlässigkeit kennen die meisten Gefangenen gut aus ihrer eigenen Geschichte. Wenn ein Gefangener diese Erfahrung auch bei einem ehrenamtlichen Betreuer machen muss, verstärkt dies sein Misstrauen und verschlechtert damit seine Startposition bei der Wiedereingliederung. Gefangene werten Unzuverlässigkeit als Ablehnung.

Verschwiegenheit

Verschwiegenheit heißt:

  • Alles, was man über einen Gefangenen direkt oder indirekt erfährt für sich zu behalten.
  • Das Vertrauen des Gefangenen nicht zu missbrauchen.
  • Klar äußern, wenn sie über eine Sache mit anderen Personen (Sozialarbeiter, Angehörigen, Seelsorger, usw. ) reden möchten.
  • Der jährliche Bericht an die JVA wird mit dem Gefangenen abgestimmt und nicht hinter seinem Rücken geschrieben.
  • Probleme, Interna, Ungereimtes beim Gefangenen und auch in der Organisation des Gefängnisses gehören nicht in die Öffentlichkeit und dürfen auch nur intern besprochen werden.
  • Als ehrenamtlicher Mitarbeiter der JVA müssen Sie sich, wie die hauptamtlichen Mitarbeiter auch, an die Bestimmungen des Datenschutzes halten.
 
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